06.04.2020 – Corona Positives

Die Sehnsucht ist ein Hund. Das sag ich, wie es Qualtinger sagen würde. Mit schnarrender Stimme. De Sehnsucht is ein Huund. Ein Hundianer. Sie schleicht sich langsam an, von hinten. Oder vorn. Und dann, auf einmal, ist sie da. Und geht nicht von alleine weg. Packt dich. Also in dem Fall: mich. Und weil man jetzt partout niemanden umarmen soll, und 2 Meter Abstand halten soll, hab ich natürlich Sehnsucht danach, jemanden zu umarmen. Natürlich ist es nicht Wurscht wen. Aber so wichtig wäre jetzt die Person selbst garnicht. Es geht ja nicht um die Person. Es geht ja um mich. Wen sonst. Facebook fragt ja: Was machst DU gerade. Es fragt ja nicht nach irgendwem. Außer, irgendwer hat Geburtstag. Schreibe der Frau Weber zu ihrem Geburtstag, dass du an sie denkst. Ja, eh, jetzt schon.
Die Sehnsucht is ein Hund. das ist fix. Kann man nichts drauf sagen.

Miriam – so heißt Mimi, wenn sie nicht Fee heißt – Miriam also, liest wieder vor. Das hat sie schon als 3-jährige getan. Den dicken Wälzer vom Busch Wilhelm auf den kleinen Knien hat sie vorgelesen. Irgendwas. Meist zusammengereimtes. Selbst erfundenes. Sie hat also mehr erzählt und nicht gelesen. Jetzt liest sie. Ich sage: “Geh, Kids. Jeder eine Stunde bitte im Garten arbeiten. Für Speis, Drank und Netflix.” Und bestimmend, in reinstem Cockney-English, füge ich hinzu: “By the Order of the Peaky fuckin` Blinders!” Und schon machen sie sich – widerstandslos, weil sie wissen, wer da spricht – mit Schaufeln und Rechen bewaffnet auf, um den Komposthaufen umzudrehen. Dann recht, schaufelt, macht Rumo während Miriam ernsthaft in der Wiese vor ihm sitzt, unter dem Kirschenbaum, und aus einem dicken, schweren Buch rezitiert. Teamarbeit. Umgekehrt habe ich das noch nicht beobachtet. ER liest nie. SIE immer. Man darf jetzt nicht denken, das würde eine Stunde andauern. Die beiden kippen so rein, dass sie das einen fuckin´ langen Nachmittag durchziehen. Pack ich nicht! So kann ich gut den ganzen fuckin Nachmittag grinsend durch den Garten marschieren, in meinen Gummistiefeln, und so tun als würde ich arbeiten. Während ihre feine Feenstimme alles und jedes begleitet. Corona Positives!

Vormittags überraschenderweise wieder mit Schuldirektoren gesprochen. Sind denn nicht Ferien? Alle müssen jetzt ihre Vorstellungen in den Herbst verschieben. Das werden gemütliche 6 Monate. Oder? Hat der Herbst eh 6 Monate? Sonst habe ich nämlich den A… offen. (Mit der Stimme Qualtingers gesprochen)

Sam war hier. Hat Farne gesetzt. Gut gemacht. Hat gemeint, wenn wir mit dem Wikingerschiff anfangen, soll ich anrufen, dann kommt er mit dem Rad herüber und baut mit. Yeah. Das ist eine Ansage. Werde morgen im Sägewerk anrufen, ich brauchte eine paar alte Brettl. Und einen Drachenkopf.

Seit gestern habe ich eine eigene Maske. Sie ist so cool. Habe mein Halstuch aus Rockerzeiten als ich noch klein und stark und jung (war?) bin, mit Sam geteilt und seine Oma hat uns jedem eine Maske gemacht. Wenn wir die aufsetzen, zieht es uns etwas die Ohren nach vorne, aber wir sind ziemlich cool.

So, jetzt Family-meeting auf Zoom. What else. Morgen Yoga. Übermorgen schreib ich wieder. Oder morgen. Oder nächste Woche. Oder what wonder.
Die Zeit is ein Hund. Am Ende vergisst man das Vergessen. Dann ist alles wieder gut. (Mit der Stimme…)

ThEATRO PICCOLO